Pferdegesundheit verstehen

Wissen aus unserer tierärztlichen Praxis – verständlich erklärt.

23.06.2026

Hornhautverletzung beim Pferd – Symptome erkennen und richtig behandeln

Von Fachtierärztin Carina Bosse, M.Sc. Pferdemedizin

Ein tränendes oder zugekniffenes Pferdeauge kann auf eine Hornhautverletzung hinweisen. Erfahren Sie, welche Symptome typisch sind, warum schnelles Handeln wichtig ist und wie eine Hornhautverletzung behandelt wird.

Die Hornhaut ist die durchsichtige äußere Schicht des Auges. Verletzungen können beispielsweise durch Äste, Fremdkörper oder mechanische Einwirkungen entstehen. Auch Infektionen können die Hornhaut schädigen. Was zunächst wie eine harmlose Augenreizung aussieht, kann sich innerhalb kurzer Zeit zu einer ernsthaften Erkrankung entwickeln. Besonders tiefe oder infizierte Hornhautverletzungen können das Sehvermögen dauerhaft gefährden.


Wann sollten Sie einen Tierarzt rufen?

Ein zugekniffenes, tränendes oder trübes Pferdeauge sollte immer möglichst sofort tierärztlich untersucht werden. Hornhautverletzungen sind schmerzhaft und können sich innerhalb weniger Stunden deutlich verschlechtern.


Wichtig: Verwenden Sie keine alten Augentropfen oder kortisonhaltigen Augenmedikamente ohne tierärztliche Anweisung. Kortison kann bei einem Hornhautdefekt die Heilung beeinträchtigen und schwere Komplikationen begünstigen.


Welche Symptome sind typisch?

Folgende Anzeichen können auf eine Hornhautverletzung hinweisen:

  • Starkes Tränen des Auges
  • Zukneifen der Augenlider
  • Lichtempfindlichkeit und Schmerzen
  • Trübung oder weißliche Verfärbung der Hornhaut
  • Gerötete oder geschwollene Bindehaut
  • Sichtbare Veränderungen der Hornhautoberfläche

Nicht jede Verletzung ist mit bloßem Auge erkennbar. Auch kleine Defekte können erhebliche Schmerzen verursachen.


Was verursacht eine Hornhautverletzung beim Pferd?

Häufig entstehen Hornhautverletzungen durch äußere Einwirkungen, beispielsweise durch Äste, Strohhalme, Fremdkörper oder Verletzungen beim Wälzen.

Auch Veränderungen der Augenlider, fehlgerichtete Wimpern oder eine gestörte Tränenfilmfunktion können die Hornhaut schädigen.

Besonders problematisch wird es, wenn Bakterien oder Pilze in die geschädigte Hornhaut eindringen. Daraus kann ein Hornhautgeschwür entstehen, das sich unter Umständen schnell vertieft.


Wie wird eine Hornhautverletzung diagnostiziert?

Bei der Augenuntersuchung beurteilen wir die Hornhautoberfläche, die Tiefe einer möglichen Verletzung und das umliegende Gewebe.

Je nach Befund kommen folgende Untersuchungen zum Einsatz:

  • Spaltlampenuntersuchung
  • Fluoreszeintest zur Darstellung von Hornhautdefekten
  • Untersuchung der Augenlider und Bindehaut
  • Beurteilung der vorderen Augenkammer
  • Bei Verdacht auf eine Infektion: zytologische und mikrobiologische Untersuchung der Hornhaut

Gerade bei infizierten Hornhautgeschwüren ist es wichtig, die beteiligten Erreger möglichst genau zu identifizieren, um eine gezielte Behandlung einzuleiten.


Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung richtet sich nach der Tiefe der Verletzung, dem Zustand der Hornhaut und einer möglichen Infektion.


Medikamentöse Behandlung

Oberflächliche Hornhautverletzungen können bei rechtzeitiger Behandlung häufig gut abheilen. Je nach Befund werden antibiotische Augentropfen, schmerzlindernde Medikamente und weitere unterstützende Präparate eingesetzt. Bei Pilzinfektionen sind spezielle antimykotische Medikamente erforderlich. Eine solche Infektion muss möglichst früh erkannt werden, da sie zu schweren Hornhautschäden führen kann.


Subpalpebrales Lavagesystem

Bei schweren Hornhauterkrankungen müssen Augentropfen teilweise sehr häufig verabreicht werden.

Ein subpalpebrales Lavagesystem ermöglicht die wiederholte Medikamentengabe über einen dünnen Schlauch, ohne das erkrankte Auge jedes Mal direkt berühren zu müssen.


Hornhautoperation (Keratektomie)

Bei tiefen, infizierten oder schlecht heilenden Hornhautveränderungen kann eine chirurgische Behandlung notwendig sein.

Bei einer Keratektomie wird krankhaft verändertes oder infiziertes Hornhautgewebe gezielt entfernt. Abhängig vom Befund können weitere chirurgische Maßnahmen zur Stabilisierung der Hornhaut erforderlich werden.


Ergänzende spezialisierte Therapieverfahren

Bei ausgewählten Hornhauterkrankungen können ergänzende Verfahren wie die medizinische Argon-Kaltplasmatherapie infrage kommen.

Diese Verfahren ersetzen nicht die notwendige medikamentöse oder chirurgische Behandlung. Ihr Nutzen muss abhängig vom jeweiligen Befund und der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz beurteilt werden.


Kann mein Pferd durch eine Hornhautverletzung erblinden?

Ja. Besonders tiefe oder infizierte Hornhautgeschwüre können zu bleibenden Narben, einer starken Beeinträchtigung des Sehvermögens oder im schlimmsten Fall zu einer Perforation des Auges führen. Wird die Verletzung frühzeitig erkannt und angemessen behandelt, sind die Heilungsaussichten bei oberflächlichen Defekten häufig gut.


Häufige Fragen zu Hornhautverletzungen beim Pferd


Wie lange dauert es, bis eine Hornhautverletzung heilt?

Kleine, oberflächliche Hornhautdefekte können bei unkompliziertem Verlauf innerhalb weniger Tage abheilen. Tiefe oder infizierte Verletzungen benötigen häufig eine deutlich längere Behandlung und engmaschige Kontrollen.


Darf ich mein Pferd mit einer Hornhautverletzung auf die Weide stellen?

Das hängt vom Befund ab. Bei schmerzhaften oder schweren Hornhautverletzungen sollten zusätzliche Reizungen, Staub und Verletzungsrisiken möglichst vermieden werden. Wir besprechen individuell, welche Haltung während der Behandlung sinnvoll ist.


Ist eine Hornhautverletzung immer von außen sichtbar?

Nein. Kleine Defekte können mit bloßem Auge kaum zu erkennen sein. Mit einem Fluoreszeintest lassen sich viele Hornhautverletzungen zuverlässig sichtbar machen.


Darf ich alte Augentropfen oder -Salben verwenden?

Nein, nicht ohne tierärztliche Rücksprache. Besonders kortisonhaltige Augenmedikamente können bei Hornhautverletzungen gefährlich sein.


Sie machen sich Sorgen um das Auge Ihres Pferdes?

In unserer Fachtierarztpraxis für Pferde in Ratingen untersuchen und behandeln wir Hornhautverletzungen und andere Augenerkrankungen mit spezialisierter Diagnostik. Von der medikamentösen Behandlung bis zur Hornhautchirurgie stehen uns verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.



Kontaktieren Sie uns bei Augenbeschwerden möglichst frühzeitig, damit wir die notwendige Behandlung einleiten können.