Pferdegesundheit verstehen
Wissen aus unserer tierärztlichen Praxis – verständlich erklärt.
Wissen aus unserer tierärztlichen Praxis – verständlich erklärt.
03.04.2026
Von Fachtierärztin Carina Bosse, M.Sc. Pferdemedizin
Argon-Kaltplasma
ist ein ergänzendes Behandlungsverfahren bei ausgewählten Hornhauterkrankungen
des Pferdes. Erfahren Sie, wie die Therapie funktioniert, wann sie eingesetzt
werden kann und welche Möglichkeiten sie bietet.
Die Behandlung von Hornhauterkrankungen beim Pferd kann besonders bei hartnäckigen Infektionen oder verzögerter Wundheilung eine Herausforderung darstellen. Hier kann die Argon-Kaltplasmatherapie eine sinnvolle Ergänzung zur klassischen medikamentösen Behandlung sein. Durch die gezielte Anwendung von kaltem, ionisiertem Argongas sollen Krankheitserreger reduziert und die Heilungsprozesse an der Hornhaut unterstützt werden.
Was ist medizinisches Argon-Kaltplasma?
Bei der Argon-Kaltplasmatherapie wird das Edelgas Argon mithilfe elektrischer Energie in einen besonderen, teilweise ionisierten Zustand versetzt. Dabei entsteht ein sogenanntes kaltes atmosphärisches Plasma.
Dieses enthält unter anderem reaktive Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen, die mit Mikroorganismen und biologischem Gewebe interagieren können. Im Gegensatz zu heißem Plasma arbeitet medizinisches Kaltplasma mit vergleichsweise niedrigen Gastemperaturen. Dadurch ist eine Anwendung an empfindlichen Geweben wie der Hornhaut unter geeigneten Bedingungen grundsätzlich möglich.
Wie wirkt Argon-Kaltplasma am Pferdeauge?
Die Wirkung beruht auf verschiedenen physikalischen und chemischen Prozessen.
Besonders interessant sind drei Eigenschaften:
Wie stark diese Effekte ausfallen, hängt unter anderem vom verwendeten Gerät, den Behandlungsparametern und dem Zustand des Gewebes ab.
Bei welchen Augenerkrankungen kann Argon-Kaltplasma eingesetzt werden?
Die Therapie kommt vor allem als ergänzendes Verfahren bei ausgewählten Erkrankungen der Hornhaut infrage.
Bakterielle Hornhautentzündungen
Bei einer bakteriellen Keratitis können Bakterien die Hornhaut besiedeln und zu schmerzhaften Entzündungen oder Hornhautgeschwüren führen. Laboruntersuchungen zeigen, dass Argon-Kaltplasma gegen verschiedene augenrelevante Bakterien wirksam sein kann. Eine ergänzende Anwendung kann daher bei ausgewählten Patienten erwogen werden. Die notwendige antibiotische Behandlung wird dadurch jedoch nicht ersetzt.
Pilzbedingte Hornhautentzündungen
Pilzinfektionen der Hornhaut, sogenannte mykotische Keratitiden, gehören zu den besonders anspruchsvollen Augenerkrankungen beim Pferd. Sie können tief in die Hornhaut eindringen und zu erheblichen Gewebeschäden führen. In experimentellen Untersuchungen konnte eine antimikrobielle Wirkung von Argon-Kaltplasma auch gegenüber bestimmten Pilzen nachgewiesen werden, darunter augenrelevante Pilzisolate vom Pferd.
Ob die ergänzende Behandlung im individuellen Fall sinnvoll ist, hängt unter anderem von der Tiefe der Infektion und dem Zustand der Hornhaut ab.
Schlecht heilende Hornhautdefekte
Bei manchen Pferden heilen Hornhautverletzungen trotz angemessener Behandlung nur langsam ab.
Die mögliche Unterstützung der Wundheilung durch Kaltplasma ist Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.
Bei ausgewählten Fällen kann die Therapie ergänzend erwogen werden. Ein gesicherter klinischer Vorteil speziell beim Pferd ist bislang jedoch nicht ausreichend belegt.
Wie läuft eine Argon-Kaltplasmabehandlung am Pferdeauge ab?
Vor jeder Behandlung erfolgt eine gründliche Augenuntersuchung. Dabei beurteilen wir die Hornhaut, die Tiefe möglicher Defekte und das Vorliegen einer Infektion. Anschließend entscheiden wir, ob eine Kaltplasmatherapie medizinisch sinnvoll ist. Die Behandlung erfolgt mit einem speziellen medizinischen Argon-Plasmajet, der gezielt an den betroffenen Bereich der Hornhaut herangeführt wird.
In der Regel ist eine örtliche, oberflächliche Betäubung des Auges und gegebenenfalls eine leichte Sedation notwendig. Die eigentliche Plasmaanwendung dauert in der Regel nur wenige Minuten. Die Behandlungsdauer und die Anzahl der Anwendungen richten sich nach dem jeweiligen Befund. Anschließend wird das Auge erneut kontrolliert. Die übrige medikamentöse Behandlung wird entsprechend der Erkrankung fortgeführt.
Ist jedes Kaltplasmagerät für die Behandlung am Pferdeauge geeignet?
Nein. Unter dem Begriff Kaltplasma werden unterschiedliche technische Verfahren zusammengefasst.
Bei einem Argon-Plasmajet wird das Plasma mithilfe eines definierten Argongasstroms erzeugt. Andere Geräte arbeiten beispielsweise mit Umgebungsluft oder einer dielektrisch behinderten Entladung (DBD).
Diese Verfahren unterscheiden sich unter anderem in ihrer Plasmaerzeugung, der Zusammensetzung reaktiver Stoffe, ihrer Leistungsabgabe und den möglichen Wechselwirkungen mit dem Gewebe. Die Ergebnisse eines bestimmten medizinischen Argon-Plasmajets lassen sich deshalb nicht automatisch auf andere Kaltplasmageräte übertragen.
Gerade am empfindlichen Pferdeauge sollten ausschließlich geeignete, für die jeweilige Anwendung geprüfte Geräte und fachlich begründete Behandlungsprotokolle eingesetzt werden.
Kann Argon-Kaltplasma eine Hornhautoperation ersetzen?
Nein. Bei tiefen Hornhautgeschwüren, fortschreitendem Gewebeabbau oder drohender Hornhautperforation kann eine chirurgische Behandlung notwendig sein. Auch eine gezielte antibiotische oder antimykotische Therapie darf bei entsprechenden Infektionen nicht zugunsten einer Kaltplasmabehandlung verzögert werden. Argon-Kaltplasma ist deshalb als ergänzende Behandlungsmöglichkeit zu verstehen und nicht als Ersatz für etablierte augenheilkundliche Verfahren.
Was sagt die Wissenschaft zur Argon-Kaltplasmatherapie am Auge?
Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass Argon-Kaltplasma gegen verschiedene Bakterien und Pilze wirksam sein kann. Eine 2026 veröffentlichte prospektive klinische Studie untersuchte die Anwendung eines medizinischen Argon-Plasmajets bei 303 erkrankten Augen von Hunden, Katzen und kleinen Heimtieren.
Die Behandlung ließ sich bei diesen Tierarten als ergänzendes Verfahren in die augenheilkundliche Versorgung integrieren. Schwere unmittelbar behandlungsbedingte Nebenwirkungen wurden selten beobachtet.
Häufige Fragen zur Argon-Kaltplasmatherapie beim Pferd
Ist die Argon-Kaltplasmabehandlung schmerzhaft?
Bei fachgerechter Anwendung unter geeigneten Bedingungen wird medizinisches Argon-Kaltplasma in anderen Tierarten häufig gut toleriert. Ein bereits entzündetes oder verletztes Pferdeauge ist jedoch oft sehr schmerzempfindlich. Deshalb wird die Behandlung abhängig vom Befund unter örtlicher Betäubung und gegebenenfalls Sedation durchgeführt.
Wie oft muss die Behandlung wiederholt werden?
Das hängt von der Erkrankung und dem Heilungsverlauf ab. Ob eine einmalige Anwendung ausreicht oder mehrere Sitzungen sinnvoll sind, wird anhand der Kontrolluntersuchungen entschieden. In der Regel wird die Behandlung zweimal pro Woche durchgeführt.
Kann Argon-Kaltplasma Pilze auf der Hornhaut abtöten?
In Laboruntersuchungen konnte eine Wirkung gegen bestimmte Pilzarten nachgewiesen werden. Ob diese Wirkung bei einer tiefen Pilzinfektion am lebenden Pferdeauge ausreicht, ist nicht ausreichend belegt. Eine notwendige antimykotische Behandlung darf deshalb nicht ersetzt oder verzögert werden.
Ist Argon-Kaltplasma für jedes Pferd mit einer Hornhautverletzung geeignet?
Nein. Viele oberflächliche Hornhautverletzungen heilen unter einer geeigneten Standardtherapie gut ab. Ob eine zusätzliche Kaltplasmabehandlung einen Nutzen bietet, muss individuell beurteilt werden.
Sie möchten wissen, ob eine Argon-Kaltplasmatherapie für Ihr Pferd sinnvoll ist?
In unserer Fachtierarztpraxis für Pferde in Ratingen untersuchen und behandeln wir Hornhautverletzungen, bakterielle und mykotische Keratitiden sowie weitere Erkrankungen des Pferdeauges.
Neben der klassischen medikamentösen und chirurgischen Behandlung verfügen wir über einen medizinischen Argon-Kaltplasmajet, den wir bei ausgewählten Hornhauterkrankungen ergänzend einsetzen können.
Welche Behandlung für Ihr Pferd sinnvoll ist, entscheiden wir nach einer gründlichen Augenuntersuchung und unter Berücksichtigung der verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse.
Kontaktieren Sie uns gerne zur Untersuchung Ihres Pferdes. Bei einem schmerzhaften, zugekniffenen oder trüben Auge sollte die Untersuchung möglichst umgehend erfolgen.